Bier in Österreich - Land des Märzen

Jeder weiß, dass Österreich im Vergleich zu Deutschland flächenmäßig kleiner ist und weitaus weniger Einwohner hat. Aber, im Bezug auf Bier-Leidenschaft und Bier-Sorten ist man absolut auf Augenhöhe. Denn mit Hunderten von Biersorten zählt Österreich zu einer der führenden Biernationen.

 

Österreich gilt als „das Land des Märzen-Bieres“, da mehr als die Hälfte der Biere dieser Brauart entsprechen. Als Tourist oder Zugereister stellt man sich daher gern die Fragen:

„Was ist Märzenbier?“, „Wo liegt der Unterschied zu Pils & Co?“ und „Warum wird es so gern in Österreich getrunken?“. Vias Vitae will auf den nächsten Seiten Antworten geben und über ausgewählte Brauer und Biere zum Probieren anregen.

Was ist ein Märzenbier?

Früher, als es weder Kühlhäuser noch Kühlschränke gab, war das Brauern der heißgeliebten, untergärigen Biere in den heißen Monaten des Jahres so gut wie unmöglich. Denn die untertänige Hefe, ohne die man nicht Brauen konnte, benötigt eine Temperatur zwischen 4 und 10 Grad Celsius, um richtig zu „arbeiten“.

 

Die Folge: Gerade im Frühlingsmonat März wurde mehr Bier eingebraut und in kühlen Felsenkellern gelagert (daher auch der Name Lagerbier für alle untergärigen Biere), um für den Sommer „gerüstet“ zu sein.

 

Und: die eingebrauten und gelagerten Biere waren so den ganzen Sommer über haltbar. Man benannte sie nach dem Entstehungsmonat März, daher Märzenbier.

 

Heute ist mehr als die Hälfte des in Österreich gebrauten Bieres Märzenbier.

Helles, Pils, Weizen & Co

Der gewöhnliche Biertrinker kennt 5 Bierstile neben dem Märzen:

Pils, Weizen, Helles, Bockbier und Schwarzbier. Aber so einfach darf man es sich nicht machen. Werfen wir einen Blick auf die unterschiedlichen Biersorten:

Weizenbier – große Sortenvielfalt

Was war zuerst da,.. das Weißbier oder das Weizenbier? Keins von beiden, denn es ist ein und dasselbe! Weißbier ist einfach nur die bayrische Bezeichnung für Weizenbier. Denn sprachgeschichtlich hat “Weiß” seinen Ursprung in „Weizen“. Das klingt doch jetzt nach dem „Ursprungsbier“ - was auch stimmt! Weizenbier ist das älteste Bier der Welt, da es schon von den Babyloniern hergestellt wurde.

 

Heute gibt es Weizenbiere in zig Variationen und Geschmacksrichtungen. Von hellen, dunklen, klaren und naturtrüben Sorten, über leichte oder alkoholfreie Weizenbiere, bis hin zu Weizenstarkbieren. Besonders interessant ist, dass Weizenbiere sehr oft einen leicht fruchtigen Geschmack nach Apfel, Birnen, Bananen oder Nelken haben. So ist z.B. auch die Berliner Weisse eine sehr alte deutsche Biersorte aus dem 16. Jahrhundert, die auch heute noch angenehm fruchtig daherkommt.

Ale - weltweit bekannt und beliebt

Keine andere Biersorte bietet so viele Untersorten. Ale gilt als Sammelbegriff für fast alle obergärigen Biere. Kennzeichnend ist ein gelber bis dunkelbrauner Farbton des Bieres. Geschmacklich ist Ale leicht-bitter bis stark gehopft. Allen Ale´s gemeinsam - durch die Hopfen-Betonung und die obergärige Brauweise - sind die zahlreichen Fruchtaromen im Ale.

 

In Österreich, Deutschland oder Ländern in denen untergärige Biere wie Lager, Pils oder Export dominieren, ist Ale eine unterschätztes Biersorte, da gerade obergärige Biere häufig aromatischer und geschmacklich komplexer sind.

Altbier - alles andere als alt

Sie haben es sich vermutlich schon gedacht: Altbier ist keine altes Bier, sondern bekam seinen Namen durch die obergärige Brauweise des Bieres, also einer „alten Brauart“ (Dagegen fällt die Lagerung bzw. der Gärprozess deutlich kürzer aus als z.B. bei einem Pils).

 

Früher gab es quasi nur obergärige Biere, da es noch keine Kühlmöglichkeiten gab. Daher wurde der Gärprozess durch obergärige Hefestämme „eingeleutet“, die bei Temperatur zwischen 20 – 24°C den Gärprozess auch bei Zimmertemperatur möglich machten (untergärige Hefe benötigt eine Temperatur von 4-7°C).

 

Auch wenn die untertänigen Biere, also Pils & Co, in der Folgezeit Ihren Siegeszug fortsetzten, so blieb die obergärige Brauweise in Form von Kölsch, Altbier und Weizen in Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf und Köln) sowie Bayern erhalten.

Bockbier - das Starke

Ein schönes kräftiges, gehaltvolles Bier mit vollmundigen Charakter, so kann man Bockbier beschreiben. Ein Bier, dass nicht nur in der kälteren Jahreszeit ein gern gesehenes „Aufwärm-Mittel“ ist.

 

Und ein Bier, dass seinen Ursprung nicht in Bayern hat - wie man aufgrund des jährlichen Starkbier-Anstichs auf dem Nockerberg vermuten könnte - sondern in Einbeck, Niedersachsen. Schon 1351 wurde dort ein kräftiges Bier gebraut, welches doppelt gut ankam: Einerseits bei den Landesfürsten aufgrund des Geschmacks und andererseits dank seiner guten Transportfähigkeit, da es einen höheren Alkoholgehalt hatte. Es wurde nach England, Italien und Amerika exportiert. 1614 warben die Bayern den “Bockbierbraumeister“ Elias Pichler kurzerhand ab - was man als Geburtsjahr des Bayerischen Biers nach “Ainpöckscher Brauart“ bezeichnen könnte - woraus im Laufe der Zeit „Bock-Bier“ wurde.

 

Bockbiere sind meist untergärig, sie können eine helle sowie auch dunkel Farbe haben, doch alle vereint einen Alkoholgehalt von min. 7% vol., der durch die längere Reifung von min. 3 Monaten entsteht.

Pils - der Weltbesteller

Aus der böhmischen Stadt Pilsen kommt die wohl bekannteste und weit verbreitetste Biersorte der Welt: „das Pils“.

 

Gerade in Deutschland wird zu über 50 % Pils bestellt und getrunken - vor allem in Mittel- und Norddeutschland. Aber wie so oft, wenn es ums Bier geht, stammt diese herbe Bierspezialität von einem bayrischen Braumeister - Josef Groll. 1842 wurde er in das „bürgerliche Brauhaus zu Pilsen“ berufen und brachte ein Rezept für ein untergäriges Bier mit, das aus Malz, Hopfen sowie aus besonders weichem Wasser gemacht wurde und einfach schön herb schmeckte. Das Bier wurde sofort begeistert angenommen - und so begann „das Pils“ seinen Siegeszug in der Welt.