Toni Faber zum Thema LEBENSSCHULE

Die Abschlussfeste und Gottesdienste zum Schulschluss sind auch für mich ein festes Ritual. Mit viel Emotion und so mancher Abschiedsträne wird das zu Ende gehende Schuljahr noch mit einer gemeinsamen Darbietung gefeiert. Viele Talente sind in diesem Arbeitsjahr wiederum gefördert und ausgebaut worden. Wie schön ist es, den Kindern beim Wachsen zuzuschauen! Wie dankbar können wir sein, wenn sie sich weiterentwickeln und an Erfahrung und Wissen reicher geworden sind, auch wenn vielleicht die eine oder andere Enttäuschung dazugehört! Wie ermutigend ist es zu erleben, wie begabte und engagierte Pädagoginnen den Kindern meisterliche Aufführungen entlocken!

Zu Recht sind die Eltern vom Kindergarten am Judenplatz stolz: Ihre Sprösslinge haben sich in mehrwöchiger Probenarbeit kindgerecht den Inhalt der Oper „Die Zauberflöte“ von W. A. Mozart erobert. Die Prüfungen des Schweigens, der Kampf gegen die wogenden Wellen und die Flammen des Feuers werden bestanden, der lang anhaltende Applaus und der kirchliche Segen bestätigen die erfolgreiche Umsetzung, Eltern und Großeltern gratulieren und herzen ihre perfekt kostümierten Schützlinge. Papageno hat seine Papagena gefunden, und auch sonst hoffen wir auf Frieden in den Familien und Beziehungen.

Die Zeit der Sommerferien ist nicht für alle stressfrei, für viele sogar eine enorme Herausforderung. So bete ich gerne in diesen Tagen für alle Eltern, Alleinerziehende und Betreuer um viel Geduld und Ausdauer in dieser unterrichtsfreien Zeit. Viel Gelerntes kann in den kommenden Wochen ausprobiert und ausgebaut werden. Gerade in Muße und Freizeit bei Sport, Spiel und Musik kann manches auf seine Tauglichkeit überprüft und in die je eigene Lebenserfahrung und Lebensweisheit zukunftstauglich integriert werden.

Auch wenn jetzt zwei schulfreie Monate vor der Tür stehen – die Schule des Lebens hört nie auf. Das Zeugnis des Lebens wird nicht nur vor den großen Ferien geschrieben: Es wird uns jeden Tag neu ausgestellt, wenn wir bereit sind, die Aufgaben des Lebens demütig zu erkennen und zu erfüllen. Hoffentlich nicht weniger ernsthaft als während des Arbeitsjahres, zugleich aber in der Freude darüber, dass uns eine Zeit außerhalb des all- täglichen Stresses geschenkt ist, die wir vor allem füreinander einsetzen können.

Denn immer, wenn etwas zu Ende ist, wie jetzt das Schuljahr, wartet schon viel Neues auf uns. Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan. dompfarrer@stephansdom.at

Kolumne erschienen am 02.07.2017 im KURIER.

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