Toni Faber zum Thema ICH HABE GEWÄHLT

Ich versuche aber tagtäglich zu wählen! Denn ich möchte mich nicht treiben und andere wahllos über mich bestimmen lassen.

Meine Wahlen treffe ich einfach gerne selber.

Diese Woche konnte ich sogar aus 50 Möglichkeiten auswählen: aus Kunstwerken, die im Sommerrefektorium der Salvatorianer bei der Charity Kunstauktion angeboten wurden. Zeitgenössische Künstler haben für die gute Sache eines ihrer bewundernswerten Kunstwerke zur Verfügung gestellt. Das ersteigerte Geld kommt Kinderhilfsprojekten in Rumänien und Venezuela des weltweit agierenden Ordens zugute. Und die Meistbietenden können sich nach dem Kauf daran erfreuen, echte Kunst mit nach Hause zu nehmen.

Die ersten Originale haben während meines Studiums zu mir gefunden: Damals habe ich ganz stolz für einige Wochen anstelle von Kopien großartiger Schöpfungen der Kunstgeschichte echte Werke der Artothek als Leihgaben an meine Zimmerwände gehängt.

Bis heute bin ich von zeitgenössischer Kunst begeistert. Nach dem Vorbild des legendäre Künstlerseelsorgers Monsignore Otto Mauer bin ich bemüht, ins persönliche Gespräch mit Künstlern zu kommen, um deren Zugang zum Leben zu teilen und dadurch selbst von der Vielfalt des Lebens beschenkt zu werden.

Ausgewählte Originale

Bei Auktionen stoßen die meisten bald an ihre finanziellen Grenzen. Bei den Salvatiorianern musste der charmante Auktionator allerdings nur selten ein Kunstwerk zurückstellen, denn fast immer hat einer der Mitsteigernden seine Gebotstafel gehoben. Nicht alle kamen mit ihren Wünschen auch zum Zug, aber jedes Mitsteigern hat eine Erhöhung
der so notwendigen Hilfe für die Sozialprojekte bedeutet. Zu meiner Freude konnte ich drei kleinere Gemälde ersteigern.

Ein ähnlicher Kunstsinn und -geschmack der Auktionsteilnehmer war beim anschließenden kleinen Empfang eine gute Grundlage zum inspirierenden Kunsttalk.

Heute habe ich keine Kopien mehr zu Hause. Geschenkte und erstandene Kunstwerke werden manchmal sogar zu viel an der Zahl. Das schafft die Möglichkeit, mich immer wieder einmal von einem Original zu trennen und im Weiterschenken meine Freude daran zu vermehren.

So geht mit dem Gefühl eigener Dankbarkeit und meiner Liebe zu zeitgenössischer Kunst eine Steigerung christlicher Nächstenliebe Hand in Hand.


Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan.
dompfarrer[at]stephansdom.at
Kolumne erschienen am 15.10.2017 im KURIER.
Bildquelle: ©Dompfarre.info / Suzy Stöckl - www.dompfarre.info