Toni Faber zum Thema "Blitztrauung"

Papst Franziskus ist auch über den chilenischen Wolken für Überraschungen gut.

Sicher haben Paula und Carlos nicht damit gerechnet, nach ihrem Einsatz an Bord ein kirchlich getrautes Ehepaar zu sein! Nie zuvor hat es laut Vatikansprecher Greg Burke eine solch spontane Trauungszeremonie während eines Fluges gegeben, gültig sei sie dennoch.

Als sich alle Besatzungsmitglieder dem Papst vorstellten, fragte er die beiden, ob sie verheiratet seien. Leider nur zivil, war die Antwort. Ein Erdbeben hatte vor acht Jahren die geplante Hochzeitskirche zerstört. Und so ist es für die glücklichen Eltern zweier Mädchen, Raffaela und Isabella, bei der Zivilhochzeit geblieben.

„Wollt ihr heiraten? Dann machen wir das jetzt!“
Gesagt, getan. Zur Überraschung aller schritt Franziskus zur Tat. Das ist Kirche „zum Angreifen“, die verstanden wird! Wo konkrete Hilfe gebraucht wird, wo die Sehnsucht größer ist, dort möge eine legalistische Form der bürokratischen Kontrolle an zweiter Stelle stehen. Viele träumen von einer Kirche, die sich allen zuwendet, die nicht über die sogenannten irregulären Verhältnisse von Lebenspartnerschaften von oben urteilt und verurteilt, sondern sich wie in einem Feldlazarett dem Nächsten zuwendet.

Papst Franziskus passieren solche Dinge nicht einfach – sein Pastoralstil ist geprägt von einer Kirche, die als Mutter und Hirtin erfahrbar ist.

Was ist mit denen, die Kirche bisher vor allem als Hüterin und Wächterin der verwalteten Wahrheit verstanden haben? Es bewegt sich nämlich gewaltig viel an der Kirchenspitze! Entsprechend bleibt der Gegenwind nicht aus. Es gibt aber auch große Unterstützer, zum Beispiel die Priester und Religionssoziologen Paul M. Zulehner und Tomáš Halík. Sie befürworten mit ihrer Initiative „Pro Pope Francis“ und Zigtausenden anderen einen neuen Stil der Pastoral, wie ihn Franziskus so eindrucksvoll vorlebt.

Kirche der Zukunft muss immer beides sein: Bewahrerin und Visionärin. Sie muss insbesondere dran bleiben an dem, was die Menschen bewegt, was die Zeichen der Zeit sind. Ihr Bemühen muss sein, nirgends den glimmenden Docht auszulöschen und die vielen Facetten des Lebens zu sehen. Wie willkommen sind da die Schritte eines Freudenboten, der eine solche Botschaft verkündet, die Leben und Sinn schenkt!

Ich freue mich schon auf die „Segnung der Liebenden“ im Stephansdom. In diesem Jahr – nicht direkt am Valentinstag, da der 14. Februar der Aschermittwoch ist, sondern am 12.2. um 20 Uhr. An diesem Abend ist der Segen der Kirche für alle Liebenden besonders gefragt.

Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan. dompfarrer@stephansdom.at
Kolumne erschienen am 21.01.2018 im KURIER.
Bildquelle: ©Dompfarre.info / Suzy Stöckl - www.dompfarre.info