Toni Faber zum Thema Advent- und Weihnachtsfeiern

Unzählige Einladungen treffen in diesen Tagen bei mir ein: Überall wird Advent und das bevorstehende Weihnachtsfest gefeiert.

Unzählige Einladungen treffen in diesen Tagen bei mir ein: Überall wird Advent und das bevorstehende Weihnachtsfest gefeiert.

Soll ich da in den Chor derer einstimmen, die darüber stöhnen und sich wünschen, diese angeblich stillste Zeit des Jahres möge recht schnell vorübergehen? Nein, ich freue mich über alle Einladungen und versuche sehr konzentriert, jede als besondere Gelegenheit der Begegnung zu nützen. Mag es bei dem einen oder anderen Anlass zwar eher oberflächlich zugehen, bei den meisten Zusammenkünften werde ich gebeten, das Wort zu ergreifen und kann ein paar sinnstiftende Sätze beitragen.

Wie gut es mir da jedes Jahr tut, vor dieser sehr intensiven Zeit des Advents innerlich einzukehren: ein paar Tage in einem Kloster am Land, mit priesterlichen Kollegen, in schweigsamer Besinnung, mit genügend Schlaf und Stille, gut gestärkt und ermutigt durch die hervorragende Theologin Ordensschwester Anneliese Herzig in ihren wertvollen und unaufgeregten Vorträgen und Meditationsanstößen, Maß halten in Speise und Trank, ausgiebige Spaziergänge auf die umliegenden Berge und durch die dichten Wälder – all das schafft den Boden für die beanspruchende Zeit der vielen Kontakte.

Es ist aber wichtig zu wissen, dass nach den Höhepunkten des Weihnachtsfestes die Zeit der Spannung von einer entspannteren Phase abgelöst wird.

Heilsames Aufräumen

Angesichts dessen, was Menschen wirklich Grund zum Jammern gibt, wäre es Luxus, des Feierns überdrüssig zu werden und darüber zu raunzen.

Was echtes Leid ist, was Menschen an Leib und Seele aushalten müssen, das bekomme ich immer wieder hautnah mit, wenn sich gerade in diesen festlichen Tagen Menschen aussprechen wollen und einander die Türklinke des Beicht- und Aussprachezimmers von St. Stephan in die Hand geben.

Tagtäglich von 7-22 Uhr, also 105 Stunden pro Woche, können wir im Stephansdom auf diese Weise für die Menschen da sein. In den letzten zehn Tagen vor Weihnachten genügt ein Zimmer nicht – es wird sogar in zwei Räumen dieser so notwendige, heilvolle und heilende Dienst der Versöhnung angeboten. Die Priester der Dompfarre könnten das allein niemals bewerkstelligen, deshalb sind wir ein Team von über 60 Priestern aus den verschiedensten Teilen der Stadt, in allen gängigen Sprachen.

So kann über den Weg der Versöhnung und des Aufräumens in all den verworrenen Lebenssituationen Platz geschaffen werden, dass vielleicht auch im ärmlichen Stall unseres Herzens der liebe Gott aufs Neue zur Welt kommen kann.

Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan. dompfarrer[at]stephansdom.at 
Kolumne erschienen am 03.12.2017 im KURIER.
Bildquelle: ©Dompfarre.info / Suzy Stöckl - www.dompfarre.info