Hals-, Bein- und Armbruch

Der geneigte Leser meiner Kolum- nen weiß es: letzten Sonntag, zu Silvester, habe ich über die Bedeutung von dem Wunsch „Hals- und Beinbruch“ geschrieben.

Der geneigte Leser meiner Kolumnen weiß es: letzten Sonntag, zu Silvester, habe ich über die Bedeutung von dem Wunsch „Hals- und Beinbruch“ geschrieben.

Dass ein gute „Broche“– ein reicher Segen über Hals- und Bein gemeint ist. Überall war auch der Wunsch „Guter Rutsch“ zu hören. Es sollte ein guter Start ins neue Jahr werden.
Direkt nach Abgabe des Textes bin ich bei strahlendem Sonnenschein auf die Piste gegangen und habe das Wedeln im Schnee genossen. Ohne jegliches Vorzeichen geschah das Missgeschick: die Bindung meines rechten Skis löste sich während der Fahrt, mein versuchtes Bremsmanöver endete in einem Sturz, gleich darauf spürte ich heftige Schmerzen. Mühsam aufgerappelt konnte ich mich noch auf eigenen Skiern ins Tal und die Ordination eines Arztes retten. Mein Oberarm war gebrochen, eine Operation folgte, die nächsten Wochen ruht mein rechter Arm in einer Schlinge.

Eine neue, ungewohnte Lebenssituation – wie für ganz viele, die derzeit durch einen plötzlichen Unfall oder eine Krankheit beeinträchtigt sind. Plötzlich heißt es das Tempo drosseln. Jede Alltagsverrichtung dauert wesentlich länger. Hilfe wird benötigt, will erbeten und bedankt werden. Das übliche Terminpensum lässt sich schwer absolvieren. Die Verletzung verlangt nach neuen Perspektiven.

Versteckter Segen

Außerdem bleibt für mich die Frage: was will mir der liebe Gott durch diesen Unfall sagen? Will ich eine zu große Reichweite erzielen durch meinen dichten Terminkalender? Geht es darum, manches aus der Hand zu geben, loszulassen? Oder einfach mehr Achtsamkeit in die kleinen Dinge des Lebens zu legen und das Tempo zu drosseln? Im Gebet und in der inneren Einkehr gehe ich diesen Fragen nach.

In jedem Fall bewirkt Hinfälligkeit eines: zu erleben, wie wichtig unsere Mitmenschen sind, die stützen, helfen, Verbände anlegen, Essen schneiden, Schuhriemen binden, Koffer tragen, weil das alles für den Beeinträchtigten nicht möglich ist. Ist der Wunsch „Hals- und Beinbruch“ nun weiter passend, selbst nach einem Missgeschick? Ich sage ja, denn auch eine gesundheitliche Krise kann Segen über das Leben bringen. In Form von neuen Impulsen, die auch einiges zum Guten verändern können, in Gestalt von Menschen, die mit ihrer Hilfe Zeugnis von Gottes Liebe sind. Der Segen ist da. Wir müssen ihn nur erkennen.

Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan. dompfarrer@stephansdom.at
Kolumne erschienen am 07.01.2018 im KURIER.
Bildquelle: ©Dompfarre.info / Suzy Stöckl - www.dompfarre.info