Der offene Himmel

1.384 ReligionslehrerInnen haben am Mittwoch keinen Religionsunterricht erteilt. Der Grund war kein Streik, sondern der erste Tag der ReligionslehrerInnen für Wien und den östlichen Teil Niederösterreichs im Stephansdom.
 

Ein einfacher Fortbildungstag?

Nein, vielmehr ein ermutigendes Unterfangen, den anvertrauten Tausenden SchülerInnen nicht nur eine Lehre zu vermitteln, sondern ihnen durch ihr Lebenszeugnis den geöffneten
Himmel zu weisen. Das gemeinsame Nachdenken, Beten und Feiern wurde vom fesselnden Vortrag von Prof. Clemens Sedmak befeuert. „Was er zu geben hatte, hatte er gerne und großzügig gegeben; manches konnte er nicht geben. “So stand es auf der Parte seines Vaters, so könnte das Motto eines jeden Glaubenszeugen in der Schule lauten. Nicht Überforderung durch Perfektion, sondern ein authentisches Zeugnis der eigenen Gottesverwurzelung ist gefragt. Die Fähigkeit, Einsamkeit zu ertragen, um aus dieser Kraftquelle der stillen Gottesbegegnung das Durchhalten auch unter schwierigen äußeren Bedingungen wagen zu können. Empfangsbereite, offene Hände als Ausdruck unserer Haltung, dass uns das Wichtigste nur geschenkt werden kann, und wir nicht alles allein erarbeiten und erkämpfen müssen.

Beim Brotwunder machte Jesus aus fünf Broten und zwei Fischen mehr als 5000 Hungrige satt. Seine Jünger haben das, was unmöglich für die vielen reichen konnte, dankbar genommen, mit dem Herrn gebetet, empfangen, ausgeteilt – und das Wunder geschah! In einer intellektuell verantwortbaren redlichen Frömmigkeit kann die gute Lehrerin aus allem etwas machen. Geerdet und gehimmelt.Es reicht nicht, soPapst Franziskus, blindlings die Lehre zu wiederholen. Es braucht ein bewohntes Wissen und Gedächtnis, um nicht nur die Asche zu bewahren, sondern vor allem die Glut des Feuers weiterzugeben. Jesus wirkt dieses Wunder nicht als Hokuspokus.

Aus der Not heraus blickt er aufwärts, in den Himmel; wieder Stammvater Jakob und später der heilige Stephanus sieht er die Engel, die Boten Gottes, auf- und niedersteigen. Wir brauchen Boten und Botschafterinnen, die diesen Dienst gerade an unseren Kindern und Jugendlichen üben: Innehalten und aufschauen, um Menschen in ihren Nöten wahrzunehmen und ihnen beizustehen.

Den Himmel zu öffnen ist ein Bild für all das, was wir brauchen, um füreinander Mensch und Nächster zu sein – aus der Gewissheit des Glaubens, dass es einen Gott gibt, von dem wir bezeugenkönnen: Er ist für dich da. Allen steht diese Tür des Himmelsoffen.

Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan
dompfarrer[at]stephansdom.at