Dankbarkeit

Denn nichts von dem, was unser Lebenoft so vielfältig und fruchtbar macht, ist selbstverständlich. Wir beteten, baten um den Segen Gottes. Dankbar, dass er uns schon auf Erden Einblick ins Paradies gibt.

Es gibt Orte, die scheinen mir ein Ausblick auf das Paradies zu sein. Sanft fallende Wiesen, frei laufende Tiere und viel Schatten unter einer Baumkrone, wo Bänke zumRasten einladen. In ein solches
Paradies durfte ich in den letzten Tagen dieser wunderbaren Sommerferien eintauchen.

Man hatte mich in das Proneben-Gut in Mühlbach am Hochkönig eingeladen, um dort eine Messe zu halten. Ein Hotel-Dorf, wo die neun neugebauten Chalets so selbstverständlich über die Wiese verteilt sind, als wären sie schon immer da gewesen, ein Erlebnis-Tiergarten mit Esel, Hasen, Alpakas und Kühen. Wie so oft erschloss sich vor Ort eine spannende Geschichte, die zeigt, wie viel Mut und Einsatz es braucht, um Besonderes zu schaffen. Vor über dreißig Jahren hat Gutsbesitzer Jakob in den Hof seiner Mutter ein paar Gastzimmer integriert, eine kleine Pension, und er war einer der ersten, der Urlaub am Bauernhof angeboten hat. Dann lernte er beim Paragleiten seine zukünftige Frau Andrea kennen, vor 21 Jahren wurde geheiratet und man
packte gemeinsam mit den drei Söhnen an, arbeitete fast rund um die Uhr, ließ die wunderschönen Gast-Hütten bauen
und vergrößerte.

Beherzt–im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Hausherrin liebt es Herzen als Deko-Elemente zu nützen, gestickt auf Handtüchern oder geschnitzt in Sessel. „Ein Gast hat einmal die Herzen, die er an einem Tag bei unsam Gut sieht, gezählt und ist auf 123 gekommen“, erzählte mir Andrea lachend.

Paradiesisches Gut

In ihrem Herzen trägt die Hoteliers-Familie allerdings jetzt etwas Wichtiges, das das Leben in jeder Situation in strahlendes Licht taucht: die Dankbarkeit.

„Es ist Zeit für das, was war, Danke zu sagen, damit das,was werden wird, unter einem guten Stern beginnt.“ Dieser Gedanke war auf der Einladungskarte zur Heiligen Messe zu lesen, die ich dort unter dem Zelt des Himmels halten durfte. Hundert Gäste standen in Kreis um den improvisierten Altar und wir dankten: dass beim Bau niemand verletzt wurde. Dass sich die 90- ährige Oma noch immer guter Gesundheit erfreut. Dass aus den Perioden der großen Belastung wieder Zeiten der Freude wurden.

Aus Dankbarkeit wird auf dem Proneben-Gut auch eine moderne Kapelle errichtet. Leichtfüßig und lichtdurchflutet soll sie immer daran erinnern, wie wichtig das Dank sagen an den Schöpfer ist.

Denn nichts von dem, was unser Leben oft so vielfältig und fruchtbar macht, ist selbstverständlich. Wir beteten, baten um den Segen Gottes. Dankbar, dass er uns schon auf Erden Einblick ins Paradies gibt.

Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan dompfarrer[at]stephansdom.at