Auch im Parlament wird gebetet

Das zweite Nationale Parlamentarische Gebetsfrühstück fand am Dienstag im Ausweichquartier in der Hofburg statt.

Voriges Jahr war der Start noch etwas kleiner, aber heuer in höchster Besetzung:
Präsident Wolfgang Sobotka eröffnete gleich mit einem Gebet. 40 Abgeordnete aus den verschiedenen Parteien luden dazu ein.
Über 200 waren der Einladung gefolgt.

Mit Bezirksvorsteher Markus Figl kam ich knapp vor 8 Uhr im Dachfoyer an, da waren die Frühstückstische schon reich gedeckt. Diese in Amerika und Brüssel schon lange geübte Tradition dient dem Brückenbauen
und dem interreligiösen Dialog.

So waren viele Vertreter der christlichen Kirchen anwesend, aber auch Vertreter der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaft.
Kardinal, Nuntius und weitere Bischöfe unterstrichen durch ihre Teilnahme die Bedeutung dieses Treffens.

Peter Matic war als Keynote-Sprecher der erste Glaubenszeuge: „Und doch ist Gott!“

Dieses beeindruckende Zitat aus „Nathan dem Weisen“ von Lessing stellte er an die Spitze seines Zeugnisses.

Um mit einem weiteren Zitat einer Schauspielerin fortzufahren: „Gott spielt in meinem Leben keine Rolle. Er ist der Regisseur!“

Matic hatte das Glück in eine gläubige Familie hineingeboren zu werden und weißes dankbar zu schätzen. In Österreich bedarf es ja keines besonders großen Mutes, um seinen Glauben zu bekennen.

Zugeben lernen Doraja Eberle, die langjährige Soziallandesrätin von Salzburg, war die zweite höchst beeindruckende Glaubenszeugin bei diesem ermutigenden Frühstück.
In ihrer Jugend galt das Credo:
„Ich bin dafür, dass wir dagegen sind!“
Aber nach verschiedenen wichtigen Glaubenserfahrungen in ihrem Leben, steht sie dafür ein, ein unbedingtes Ja zum Leben zu verwirklichen.
Sie unternimmt alles, damit Aufbau gelingen kann, und übernimmt Verantwortung in der Gesellschaft, sodass alles in den Dienst am Nächsten mündet.
Davon zeugen die über 1200 Häuser, die im Rahmen der Aktion „Bauern helfen Bauern“ in Bosnien und Herzegowina nach dem Krieg wieder aufgebaut wurden. Zahlreiche Flüchtlingsfamilien konnten so wieder ein Zuhause in ihrer Heimat finden.

Mutter Teresa aus Kalkutta war ihre Lehrmeisterin und Anstoßgeberin:
„Du musst lernen im Leben zu geben bis es weh tut.“ „Rede nicht von Gott, außer wenn du gefragt bist. Aber lebe so, dass man dich fragt!“

Doraja Eberle bemüht sich darum.

Alle Teilnehmer sind mit dieser gleichen Intention von den Frühstückstischen aufgestanden.


Der Autor ist Dompfarrer zu St. Stephan. dompfarrer[at]stephansdom.at
Kolumne erschienen am 13.05.2018 im KURIER.
Bildquelle: ©Dompfarre.info / Suzy Stöckl - www.dompfarre.info