Trauer

Trauern zu können ist eine der unschätzbarsten Fähigkeiten unseres Menschseins; es zu lernen eine wahre Kunstfertigkeit. Sie nötigt zur Langsamkeit, zum Alleinsein, viel mehr noch zum gemeinsamen Alleinsein. Sie treibt in die Stille und in die tiefe Grübelei über den Sinn des eigenen Lebens und das der anderen. Sie muss sich mit dem Schwarzen Loch, das der Tod eines geliebten Menschen in uns verursacht hat, auseinandersetzen und kann nicht einfach so davonlaufen. Die Trauer konfrontiert uns ungeschminkt und heftig mit unseren eigenen, oft uneingestandenen Emotionen und überwältigt uns zu leisen oder lauten Gefühlsausbrüchen, denn jeder Mensch trauert anders.

Die Fähigkeiten, die wir uns im Trauerprozess um einen geliebten Menschen wieder aneignen müssen, sind in unserer Gesellschaft nicht besonders anerkannt: Langsamkeit, Alleinsein, Stille, Grübeleien von obsessiver Qualität (ständig verheddern wir uns in die gleichen scheinbar unfruchtbaren Gedanken, die eigentlich nichts bringen), die Konfrontation ohne Ausweg mit unseren eigenen, oftmals unterdrückten Emotionen, die mehr oder weniger heftigen Gefühlsausbrüche, das ungehemmte Fließenlassen der Tränen selbst vor anderen usw. Denn sie sind mit einer der Grundfähigkeiten des Menschen verbunden: der Fähigkeit zur Introversion, des Abstandnehmens zur äußeren Welt, indem wir uns in uns selbst zurückziehen. Sie werden vielleicht diesen Ausdruck aus Zeitungen und Magazinen kennen: C.G.Jung prägte ihn und unterschied sie von der Extroversion, der Zuwendung nach außen, zur Welt hin. Die Rede von introvertierten bzw. extrovertierten Menschen kennen wir ja alle zur Genüge. Jung kennzeichnet beide als zwei gleichwertige Seiten einer Medaille. Wir Menschen brauchen immer wieder Phasen der Introversion, des In-Uns-Gekehrtseins, des Abstandnehmens von der Welt. Weil wir sie uns aber so wenig freiwillig gönnen bzw. unsere Welt, wie sie halt mal so funktioniert, das nicht so gerne zulässt, zwingt uns das Leben selbst solche Phasen der Introversion, des Innehaltens und der Revision, immer wieder auf.

Trauern ist eine solche Form radikaler Introversion. Wir wählen sie nicht freiwillig (wie die sog. „introvertierten“ Menschen, die quasi eher in sich selbst als in der Welt leben), sondern wir werden in uns selbst zurückgestoßen. Und dort begegnen wir unseren eigenen begrabenen Emotionen, die der Tod eines geliebten Menschen hervorruft. Denn das scheint mir das Erstaunlichste an der Trauer zu sein: Wir trauern nicht so sehr um den verlorenen Menschen, den wir so sehr liebten, sondern vielmehr um das, wofür der/die Verstorbene gleichsam das dichteste Symbol zu sein scheint: Unsere eigene, oftmals in viele Fragmente zersplitterte Abgestorbenheit des Lebens, vertane und nie mehr wiederkehrende Chancen oder Begegnungen in unserem eigenen Leben. Wir trauern immer auch um unser eigenes Leben und unsere eigenen verdrängten oder verleugneten Emotionen, die oftmals mit dem Leben des/der Verstorbenen verknüpft sind, es aber nicht müssen. Wir trauern auch immer über uns selbst, wenn wir über den geliebten Abwesenden trauern.

Das nimmt nichts von der Schärfe der Trauer um einen Menschen und will das auch gar nicht, verschiebt aber die Perspektive auf einen gern übersehenen Aspekt allen Trauerns: Es sind wir, die wir auch um uns selbst trauern, wenn wir einen anderen betrauern. Trauern stellt daher eine der selbsreinigendsten Kräfte unserer Seele dar: eine Quelle, wenn auch eine bittere, der Selbsterneuerung.

Da es aber keine Introversion ohne ihrer Kehrseite, der Extroversion, gibt, ermutigen wir Sie, zusammen mit anderen zu trauern. Muten Sie sich einander zu, die Sie gemeinsam um einen geliebten Menschen trauern. Weinen Sie zusammen, lassen Sie gemeinsam Ihren Gefühlen freien Lauf. Erfinden Sie gemeinsam kleine Rituale des Trauerns: Entzünden Sie zuhause oder in einer Kirche/Kapelle eine Kerze, reden Sie gemeinsam über den betrauerten Menschen und haben Sie Mut zur Ehrlichkeit sich und den anderen gegenüber.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Kraft für Ihre Zeit der Trauer. Nehmen Sie sich Zeit zu dieser besonderen Form der Introversion und des Abstand-Nehmens zur Welt.
 

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