Sterben

Im Moment unseres Geborenwerdens sterben wir bereits. Es ist die einzige schiere Gewissheit unseres Lebens, dass wir alle einmal sterben müssen. Geborenwerden ist, je nachdem, welcher Weltsicht man selbst anhängt, für den einen purer Zufall, für den anderen eine Art göttlicher Bestimmung. Doch einmal geboren, gibt es dann keine Beliebigkeit in Sachen Sterben. „Bedenke Mensch, dass du sterben musst“, heißt es in einer Trauerkantate („Actus tragicus“) von Johann Sebastian Bach. Dieses Bedenken, vor allem des eigenen Sterbenmüssens, ist ein zutiefst spiritueller Akt, den man in früheren Zeiten als „memento mori“ (bedenke, dass du sterben musst) bezeichnete.

Die spirituellen, religiösen, philosophischen und literarischen Traditionen des „memento mori“ sind unübersehbar. Unsere abendländische Geschichte ist eine wahre Meisterin in der meditativen Umkreisung dieses Zentralthemas – gleichauf mit der Liebe. Das mutet eigenartig an, vor allem wenn man bedenkt, wie sehr unsere gegenwärtigen Gesellschaften das Sterben aus ihren Vitalkreisen bis hin zur Verdrängung ausklammern. Wer sich zu sehr mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzt, dem attestiert man wohl schnell depressive Verstimmtheit oder Lebensüberdruss oder -unfähigkeit. Zumindest haftet diesem Sinnieren um die eigene Vergänglichkeit, wodurch auch immer sie ausgelöst sein mag, etwas Eigenartiges an. Im Regelfall beschäftigen wir uns mit diesen Themen nur dann, wenn wir durch schwere Krankheiten oder der allgemeinen Brüchigkeit unseres Lebens zu Bewusstsein gekommen, darauf gestoßen werden. Aber welche Veranlassung sollte man haben, über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken, wenn uns offensichtlich nichts fehlt? Wäre das nicht eigenartig? Zumindest aus unserer aktuellen gesellschaftlichen Perspektive?

Die Traditionen des memento mori setzen aber in ihren Meditationen nicht erst in jenem Moment an, wo uns von außen die Beschäftigung mit dem eigenen Sterben geradezu aufgezwungen werden. „Mitten wir im Leben stehen, vom Tod umfangen“, heißt es in einem kirchlichen Gebet und darf als Motto für die großen Traditionen des memento mori stehen: Gerade wenn wir mitten im prallen und vollen Leben stehen, wir auf einer Welle der Glückseligkeit oder des schieren Erfolges reiten, sollen wir gerade dann bedenken, dass auf jeden Wellenkamm ein unvermeidliches Wellental folgt, ein Tiefpunkt. Der Tod umfängt uns immer von allen Seiten und vor allem im und durch das pralle Leben hindurch. Philosophen und Theologen ermahnen uns in unterschiedlichen Gedankenexperimenten, den Tod immer allgegenwärtig und vor unseren Augen zu halten, vor allem wenn wir auf dem Gipfel des Lebens angekommen zu sein scheinen und alles scheint wie geschmiert zu laufen. Sei skeptisch! Trau diesem Glück nicht über die Maßen! Bedenke, dass dein eigener Tod ganz real an der nächsten Ecke auf dich wartet, während du lachst und dich des Lebens freust. Das soll uns die Freude am Leben nicht vermiesen, sondern die Strategien des memento mori dienen geradezu dem umgekehrten Anliegen: Sie sollen unsere Freude an der Intensität des Lebens steigern, weil wir bedenken und wissen, dass der nächste Augenblick nicht sicher ist.

Der Tod soll uns nicht wie ein Dieb in der Nacht überraschen, sondern wir sollten allezeit gewappnet und bereit für ihn sein. Wir sollen uns bei Lebzeiten mit ihm anfreunden, uns mit unserer eigenen Sterblichkeit und Zerbrechlichkeit versöhnen, den Tod und das eigene Sterben nicht als Feind bekämpfen, sondern als Freund gewinnen. Das meint grundsätzlich das memento mori – gedenke deines Todes, deiner eigenen Vergänglichkeit, deines eigenen unweigerlichen Sterbenmüssens.
 

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